Burning Mountain

Sydney, Australien. Architektur in kühnen Formen himmelwärts schwingender Glasfassaden, irritierende Spiegelungen, Überschneidungen von Linien und Flächen; Strukturen, deren Rhythmus sich mit dem Leben tief unten in den Strassenschluchten, Passagen und exotischen Parks vereint. Meeresgetier, Schiffskörper, Segelschwünge und Takelwerk als Gebautes assoziieren die Öffnung zum Ozean, von wo die europäischen Siedler den Kontinent entdeckten und eroberten, und Jahrtausende währender Abgeschlossenheit eine Epoche schnelllebiger Entwicklung aufsetzten.

Urzeitliche Baumriesen und schlankstämmige Palmen mit Seewind-gezausten Kronen kontrastieren mit gebauten Türmen, Konstruktionen aus Glas, Stahl und Spannbeton. Stämme und Wurzeln gewaltiger Eukalypten setzen sich in Glasfassaden fort, werden zurückgespiegelt und verzerrt, so daß es scheint, als hätten die Rippen des ledernen Blattes die Struktur des Stahlskeletts unterm Glas aufgenommen.

Ein Berg brennt, seit zweitausend Jahren schwelt in der Tiefe ein Kohleflöz. Flimmernde Dämpfe steigen aus Spalten auf, schweflige Belege färben das heiße Gestein von weiss bis gelb und rot. Buschfeuerflammen wandeln Eukalypten und Grasbäume in schwarze strukturreiche Stelen, dörren Palmwedel zu grotesken Formen, die im heftigen Wind rascheln und einen unheimlichen Chor der Vergänglichkeit ertönen lassen, den kein Vogelruf unterbricht. Schwarzes Geäst verkohlter Banksien mit steinharten Samenkapseln krallt in den heissen Himmel. Und doch zieht es Wachstum aus der rostig-rot bis weiss-fahlen Ascheerde, frisch-grüne Blattbüschel und eigenwillig geformte Blüten entfalten sich und verzaubern.

Die Glut des Feuers und der Sonne, Naturgewalt-geformte Küste, einsame Pfade im kaum berührten Busch, Pflanzen und Tiere in fremd-verschwenderischem Farb- und Formenspiel, Einheit und Kontrast von Natur und Architektur – mein Erleben drängte mich zur Wahl des Aquarells und der Federzeichnung. Der mit Tusche oder Sepia gezogene scharfe Federstrich ermöglicht es mir, vielfältige Strukturen, aber auch Bewegung darzustellen, manchmal gehöht durch den Schnitt der Schere zur Collage oder vervollkommnet durch Lavierungen mit Pinsel und Aquarellfarbe.